Mit zittrigen Händen schreibe ich diese Zeilen, nun da ich zur Ruhe komme.
Seit einigen Wochen weile ich jetzt auf Burg Drachenstein. Die Tage plätschern dahin ohne das viel geschieht, es ist zermürbend.
Heute aber lud die edle Helena zur Audienz, doch kaum jemand erschien. Schreckliches jedoch mussten wir erfahren. Die Ranken, die das dunkle Schloss umwuchert hatten, sind verschwunden. Die Schatten sind wieder frei und als Beweiß dessen wurden wir noch in dieser Nacht überfallen.
Gerade wollte ich Helena zur Heilstube führen, um sie zu untersuchen, da sie mir ein wenig kränklich erschien und ich die nächsten Tage unterwegs sein wollte … unterwegs um Katy zu suchen, nachdem ich einen kleinen Verdacht, eine winzig kleine Hoffnung habe, dass sie wieder frei ist und noch am Leben.
Nun wir machten uns also auf zur Heilstube, als wir mittem im Innehof direkt vor der Türe zur großen Halle auf eine Lykanerin trafen, eine gewandelte Lykanerin. Es ist mir unbegreiflich wie sie an all den Wachen vorbei unbemerkt dorthin hatte kommen können. Wie dem auch sei, sie war da und geistesgegenwertig stieß ich Helena wieder in den Raum und erhob meinen Stab, um einen Feuerball herauf zu beschwören. Die Bestie versuchte zu flüchten, über das kleine Dach über der Heilstube, aber natürlich standen oben schon mehrere Wachen auf den Mauern, die ihre Bögen auf sie richteten, ich ließ meinen Feuerball auf sie los und die Wachen schossen. Getroffen vom Feuer und den Pfeilen, die auf kurze Distanz auf sie geschossen worden waren, stürzte sie in den Burghof. Direkt ließ ich einen weiteren Feuerball auf sie nieder. Wachen, die unten waren eilten hinzu und bedrohten sie mit ihren Speeren. Ich ließ einen weiteren Feuerball entstehen, der vor ihr tanzte und rief ihr zu, sie solle sich ergeben, währendessen legten die Wachen auf den Mauern neue Pfeile auf und behielten sie im Visier, doch schien sie das nicht zu beeindrucken. Sie brüllte bedrohlich auf und und ich ließ den dritten Feuerball auf das Wesen prallen. Gleichzeitig rammten ihr die Wachen neben ihr zwei Speere in den Körper und ein weiterer Pfeilhagel ging über ihr nieder. Sie riss die Wachen um und begrub eine ganz, eine halb unter sich. Ein schreckliches Schauspiel. Doch scheinbar verließen sie nun endlich ihre Kräfte, denn nur kurz schien es noch als wolle sie sich erneut aufbäumen, dann aber wandelte sie sich in ihre menschliche Gestalt. Erneut forderte ich sie auf sich zu ergeben und diesmal tat sie es auch. Der Graf Miquel hatte von Wachen unterdess Ketten holen lassen und ließ ihr diese nun anlegen. Ich vergewisserte mich kurz das es Helena gut gehe und machte mich dann eilig daran die beiden Wachen zu versorgen. Für einen von ihnen kam jede Hilfe zu spät, der Mann war tot. Der andere ist schwer verletzt. Er hat mehrere Rippenbrüche und einige Prellungen und Schürfwunden. Ich versorgte ihn so gut es mir möglich war, gab ihm etwas gegen die Schmerzen und wies ihn an in den nächsten Tagen ruhig auf seinem Lager zu bleiben. Leider werde ich hier keinen Knochen-Trank zubreiten können, ich werde auf meinem Ritt zu den Elben morgen am neuen Magierturm halt machen in der Hoffnung Homer dort anzutreffen, vielleicht kann er mir den Trank für den armen Mann vorbereiten. Wir können es uns in diesen Tagen nicht erlauben einen guten Mann für Wochen verletzt im Bett liegen zu haben, es reicht, dass einer der Männer sein Leben lassen musste.
Nachdem ich die Wache versorgt hatte, sah ich nach Helena, der ich einen Tee mit beruhigenden Kräutern brachte. Es ging ihr schlecht, man sah, dass das alles ihr sehr zugesetzt hatte. Gerade erst hatte sie erfahren, dass es diese Wesen tatsächlich geben soll und nur wenige Augenblicke später griff uns eines an.
Ich sprach kurz mit ihr und ging dann um meine letzte Pflicht für den heutigen Abend zu erfüllen. So kam ich zu dem Käfig in den der Graf die Lykanerin gesperrt hatte. Ich kenne diese reudige Hündin. Sie ist die, die damals im Hause von Elyion und Canidio ein und aus ging. Die erste Lykanerin, die ich in gewandelter Gestalt sah … so viele Monate ist dies her … Es war der Abend an dem ich Canidio um die Aufnahme als Schülerin gebeten hatte. Damals war ich bei ihrem Anblick in Ohnmacht gefallen und stand noch lange unter Schock … damals … alles ist anders seit damals …
Der Graf hatte ihr ein Halsband mit nach innen gereichtetet Dornen anlegen lassen. Das ist gut. Das wird sie töten, sollte sie versuchen sich zu wandeln. Etwas Sorge macht mir, das das Weibstück in ihrer menschlichen Gestalt und nur spärlich gekleidet den Männern den Kopf verdrehen könnte. Ich werde ihr gleich morgen ein ordentliches Gewand bringen und hoffe, dass die Androhung des Grafen gegenüber den Wachen, sein Versprechen was dem geschehen würde, der sich locken ließe … das dies und das Gedenken an ihren gefallenen Kameraden sie dazu befähigen wird ihre Lenden in Zaum zu halten …
Ich verabreichte ihr noch einen Trank aus Eisenkraut in der Hoffnung, dass dies sie zusätzlich schwächen wird, denn zu meinem Erstaunen schien sie recht gut beeinander und die Wunden, die sie hatte haben bereits aufgehört zu bluten. Sie sprach normal, gar frech und aufmüpfig. Zwar habe ich bereits gehört, dass die Lykaner über gewisse Selbstheilungskräfte verfügen, doch das was ich da heute sah, nach all dem was wir ihr zugefügt hatten … das versetzte mich in schrecken. Wie soll man einem solchen Gegener einhalt gebieten?
Eine andere Sache ist, dass ich nun völlig enttarnt bin. Elyion wird aus der Haut fahren wenn er es erfährt und mein Leben und das derer die mich schützen ist in Gefahr. Der Inquisitor ist noch immer im Land. Das einzig Sinnvolle was ich jetzt tun kann ist von der Burg zu verschwinden, auch wenn ich die edle Helena ungern enttäusche. Sie will das ich bleibe, versprach mir mich zu schützen und jedem der mich verraten würde den Tod anzudrohen … doch … kann ich sie dem aussetzen? Alle hier? Ich sehe wie argwöhnisch die Wachen mich seither betrachten und glaube nicht, dass sie sich so schnell daran gewöhnen werden. Nur zu gut kenne ich diese Blicke.
Kurz nach Sonnenaufgang werde ich die Burg verlassen und den Elben eine Nachricht von Helena bringen. Außerdem werde ich nach Katy suchen … ob und wann ich wiederkehren werde habe ich noch nicht entschieden.
A.



